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Euphrat und Munzur 2012
22. – 29. Juli 2012
Die Sommerreise 2012 führt ins anatolische Herz der Türkei. Zwei wahrhaft mythische Flüsse sind das Ziel. So verschieden im Charakter und doch so ähnlich in der Faszination, die sie auf den Besucher ausüben.
Der im Kurdischen wie Türkischen Firat genannte Euphrat ist das, was man nicht nur im Paddler-Sprech "River God" nennt. Weit über 3000 Kilometer legt er zurück von seinen Quellen im anatolischen Hochland, durch das von Kurden besiedelte Taurusgebirge in das aride Flachland von Syrien, bevor er schließlich im Mesopotamischen Zweistromland zusammen mit dem Tigris Wasserquelle für Millionen Iraker ist. Mitte des 20. Jahrhunderts wurden Faltbootlegenden wie Herbert Rittlinger von den gewaltigen Schluchten des Euphrats in ihren Bann gezogen. Weltbekannt sind die Geschichten Karl Mays über das "wilde Kurdistan", das der Bestseller-Autor beschrieb, ohne es jemals mit eigenen Augen gesehen zu haben. Nur wenige Jahre und Jahrzehnte nachdem das Wasser die Spuren der westlichen Paddelpioniere weggeschwemmt hat, hat der türkische Staat Gefallen an der Kraft des Euphrats gefunden. Mit gigantischen Talsperren wurde das Wasser des Firat Nehri gefangen, in Rohre gepresst und in Megawatt verwandelt. Ein Teil des Wassers bewässert die ehemalige Ödnis der Harran-Ebene. Heute werden hier Cash Crops für den überregionalen Markt erzeugt.
Während sich so von der syrischen Grenze flussaufwärts Stausee an Stausee reiht, scheinen die Betonplaner die mächtigen Quellflüsse übersehen zu haben. Völlig unreguliert fließen Karasu (dt. Schwarzes Wasser; der westliche Arm) und Murat Nehri (der östliche Arm) dem Keban-Stausee zu. Weitere Gemeinsamkeiten finden sich in der (zumindest im Frühjahr) gewaltigen Wassermenge, dem natürlich lehmig-braunen Wasser und der Eisenbahn, die die sonst oft völlig weglosen Schluchten begleitet. Bei den Schluchten hat übrigens der Karasu die Nase vorn: Mit zahlreichen, stets gut fahrbaren Stromschnellen durchbricht er die nördlichen Ausläufer des Taurus, zahlreiche Quellen und sprudelnde Seitenrinnen sorgen für Trinkwasser und Abkühlung.
Auf über 120 Kilometer fließt der Euphrat hier zunächst eingebettet in karge Berglandschaft über kurzweilige Schwälle durch Schotterebenen. Zahllose Kiesbänke laden zu Picknick oder nächtlichem Camp ein. Die Straße verläuft hier im breiten Tal, an mehreren Punkten kann das Begleitfahrzeug den Fluss erreichen und die Paddler mit allem Nötigen versorgen. Wenn die Bergflanken zusammenrücken wird das Wasser etwas wuchtiger, bleibt aber dank ausgeprägtem Pool & Drop-Charakter freundlich. Mit jedem Kilometer tauchen wir tiefer ein in die Schluchten des Euphrat. Boote sind auf dem Euphrat eine Seltenheit. Nur in wenigen Jahren verlieren sich private Gruppen hier im Osten der Paddeldestination Türkei. Einzig der Brite Dave Manby führte in den letzten 20 Jahren Raft- und Kajakgruppen im kleinen Stil den Euphrat hinunter. Die Bergdörfer Kemah und Illic bieten Gelegenheit eine Mahlzeit in einem der kleinen Restaurants oder Garküchen einzunehmen. Doch schon bald tauchen wir mit den Kajaks in die nächsten Schluchten ein.
Der Karasu bietet je nach Wasserstand im offenen Kiesbett leicht verblockte, steile Schwälle (bis WW III) oder offenes Wildwasser mit langen Wellenzügen. In den Schluchten werden die Stromschnellen kürzer. Oft ist nur eine Schluchtseite begehbar, die hohen Wände verstärken das Gefühl der Ausgesetztheit. Die Schwierigkeiten überschreiten den dritten Grad nicht.
Nach den eindrucksvollen Schluchten des Euphrat mit seinen lehmig-braunen Fluten, ist es Zeit für einen Szenenwechsel. Wir setzen über nach Tunceli, dem kurdischen Dersim, und fahren direkt in den Munzur-Nationalpark. Hier ist wahres Kurdenland. Obwohl viele Hundert Kilometer entfernt von den gleichfalls als Herzen Kurdistans bezeichneten südöstlichen Provinzen nahe der iranisch-irakischen Grenze, gilt der Munzur den Kurden als mythischer Fluss. Dersim, wie der Ort vor seiner Türkifizierung im Jahre genannt wurde, hat eine lange Tradition, oft blutiger Widerstandsbewegungen gegen den Staat Atatürks. Viele Jahre war das gesamte Tal touristisches Sperrgebiet, eine Art Ausnahmezustand machte den Zugang für Ausländer praktisch unmöglich. In den letzten Jahren trieben touristische, zumeist auf persönliches Engagement Einzelner gegründete Initiativen zarte Blüten. Das blaue Wasser des Munzur ist dabei das größte Kapital der Region. Ich darf ruhigen Gewissens behaupten, noch nie ein solches klares Blau zu Augen bekommen haben, wie es sich in der Wasserfarbe des jungen Munzurs spiegelte. Das Tal ist hier um ein Vielfaches grüner als die Hänge und Talebenen des Euphrat.
Wir werden drei bis vier Tage im Tal des Munzur verbringen, wenn möglich direkt von der Quelle lospaddeln und dem Lauf Richtung Tunceli folgen. Neben dem Erleben auf dem Fluss treffen wir Einheimische, die uns Kultur und Alltagsleben näher bringen.
Wie, wo, was?
Die Tour auf Euphrat und Munzur wird als kulturelle Wildwasserreise organisiert. Im Mittelpunkt steht nicht das technische Fahren, sondern das mehrtägige Flusswandern einschließlich der Traverse isolierter Schluchtstrecken. Die Tour richtet sich also an Paddler, die die mächtige Szenerie von Euphrat und Munzur vom Boot aus erleben wollen. Je nach Fahrkönnen der Teilnehmer ist eine Fahrt in Kajaks, Schlauchkanus (à la Outside) oder Raft möglich. Übernachtet wird vorwiegend direkt am Fluss, das Begleitfahrzeug bringt alles Nötige zum Camp.
Dieses Angebot beinhaltet lediglich das Guiding auf dem Fluss. Alle weiteren Komponenten wie Flug, Logistik, Übernachtung und Verpflegung werden gemeinsam organisiert, aber separat von den Teilnehmern mit dem Erbringer der Leistungen abgerechnet. Der Flug mit Turkish Airlines oder Pegasus Airlines erfolgt über Istanbul nach Trabzon und schlägt mit ca. 350 Euro zu Buche.
Neben dem Termin Ende Juli, sind Touren auch zu einem späteren Zeitpunkt möglich. Gerne gehe ich hier auf Eure Terminwünsche ein. Eine Kalkulation der Kosten ist zeitnah möglich, hängt jedoch stark von der Teilnehmerzahl ab.
Wer Interesse an diesem Angebot hat, melde sich bitte per E-Mail.
Alle Fotos zum Euphrat wurden mir freundlicherweise von Manuel Arnu zur Verfügung gestellt. |