Die Flüsse Anatoliens

Die Türkei ist ein wasserreiches Land. Regenschwere Wolken treiben über das Schwarze Meer gen Süden und füllen mit ihrer Fracht die Wildflüsse des immergrünen Pontusgebirge bis weit in den Frühsommer. Ergiebige Winterniederschläge speisen die Karstquellen des taurischen Kalkgebirges. Weite Schneefelder an den bis knapp 4000 Meter hohen Bergen sorgen für eine lange Schmelze im Frühjahr. Die segensreichen Fluten von Euphrat und Tigris bewässern die mesopotamische Tiefebene im Irak, und verwandeln im Rahmen eines gigantischen Bewässerungs- und Stromerzeugungsprojekts wüstenhafte Landstriche in Südostanatolien in grüne Agrarflächen.

Der Murat im Osten Anatoliens
Der Murat im Osten Anatoliens

Noch immer fließen Großflüsse wie der Kizilirmak im zentralanatolischen Hochplateau oder der lehmbraune Murat auf weiten Strecken unverbaut durch faszinierende Landschaften, sind im östlichen Taurus Erstbefahrungen in Schluchten über nahezu hundert Kilometer möglich. Auch die fast schon klassischen Karstflüsse um Antalya und Alanya bieten von Spätherbst bis Frühsommer eine Vielzahl an von Tourismus und Energiewirtschaft unberührten Schluchten. 

Der blaue Munzur wenige Kilometer nach der Quelle.
Der blaue Munzur wenige Kilometer nach der Quelle.

Doch die Verteilungskämpfe um das “Blaue Gold” sind voll entbrannt. Sommerliche Dürreperioden lenken den Fokus auf die Neuerrichtung von Trinkwasserreservoirs und Stauseen zur Bewässerung. Am Tigris nahe der syrischen Grenze befindet sich der Ilisu-Staudamm in Bau. Die türkische Regierung will das höchst kontroverse Projekt zum Zwecke der Stromerzeugung ohne Einhaltung internationaler Standards realisieren. Tausende Menschen werden im Zuge der Flutung ihr Heim verlieren. Neben diesem weltweit Aufmerksamkeit erregenden Beispiel sind um nur einige zu nennen Stausee-Ketten am Coruh, der zu den zehn weltweitweit besten Rafting-Flüssen zählte, am Zap nahe der iranisch-irakischen Grenze, dem von der lokalen Bevölkerung als heilig verehrten Munzur und dem erst kürzlich erstbefahrenen Zamanti-Seyhan-Göksu-Flusssystem in Bau oder geplant. Wie bei vielen anderen Regionen dieser Erde muss man feststellen, dass es sich wohl auch bei der Türkei um ein “bald verlorenes Paradies” handelt, um mit Rittlinger zu sprechen.

Paddler, nutzt die Zeit, die uns bleibt!

Mehr Eindrücke vom der Türkei und ihren Flüssen im Videotrailer von Olaf Obsommer:
 

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