Flüsse des zentralen Taurus

Die zwischen den Strömen Göksu und Euphrat (Firat Nehri) im zentralen Taurusgebirge gelegenen Flüsse stellen bis auf wenige Ausnahmen kanusportliches Neuland dar. Von den Flughäfen Kayseri und Adana sind sowohl Ala- (Ala Daglari) und Dibek-Gebirge (Dibek Daglari) wie die Flüsse westlich der Kilikischen Pforte schnell erreichbar. Die Autobahnen von Ankara nach Adana und von Mersin nach Gaziantep sorgen für eine gute Erreichbarkeit des Reviers.

Kommt man vom westlichen Taurus eignet sich neben der zeitaufwändigen Küstenstraße Alanya – Anamur – Silifke – Mersin die Verbindung durch das Göksutal Ermenek – Mut – Silifke – Mersin für eine Anfahrt Richtung Adana. Vom Manavgat und oberen Göksu ist man am schnellsten durch das flache Hochland auf der Strecke Bozkir –  Karaman – Eregli.

Zwischen Silifke und Tarsus strömt eine Reihe recht kurzer, gefällstarker Flüsse dem Mittelmeer zu. Franz Bettinger beschreibt den Limonlu Dere bei Erdemli als lohnend auf mehreren Etappen. Eine Erkundung des Oberlaufs zeigte 2005 einen unregulierten Wildling im unbesiedelten Tal, der durch eher ungewöhnliche Flussverbauungen auffällt: Mehrere Bewässerungsrohre verlaufen im und neben dem Flussbett und behindern die Fahrt massiv. Als lohnend könnte sich lediglich der Unterlauf bis Limonlu erweisen.

Von den zwischen Erdemli und Mersin mündenden Flüssen Sorgun und Arslanköy Deresi ist kein Befahrungsbericht bekannt. In den Monaten März und April wird ein ausreichender bis hoher Durchfluss in tiefen Schluchten vermutet. Über die aus den Bolkar-Bergen nach Norden entwässernden Flüssen ist ebensowenig bekannt. Hier ist allerdings mit Wassermangel durch Ableitungen zur Bewässerung des Hochlandes zu rechnen.

Milchiges Wuchtwasser am Cehennem bei Sebil.

Erste Beschreibungen liegen nach einer Reviererkundung im März 2009 vom Cehennem und den westlichen Zuflüssen des Seyhan vor. Der Cehennem, der im Unterlauf Tarsus Cayi genannt wird, entwässert die Bolkar Daglari nach Süden und bietet im zeitigen Frühjahr wuchtiges Wildwasser in tief eingeschnittenen Waldschluchten. Von der Röhrenbrücke bei Sebil sind zwei Etappen erreichbar. Neben der ca. drei Kilometer langen offenen Strecke mit Straßenbegleitung bis zur Brücke, reicht die anspruchsvolle Folgeetappe bis zum vor wenigen Jahren fertiggestellten Stausee. Milchiges Schmelzwasser im fünften Grad wartet mit einer mühsamen und psychisch anstrengenden Umtrage auf die Expeditionisten. Die flussabwärts liegenden Schluchten scheinen ganzjährig abgeleitet. Auf den fahrbaren Strecken sind Wasserableitungen in Planung.

Traumwildwasser am Körkün oberhalb Karakuz.

Während die Ufer des Cehennem meist auf einer Seite begehbar sind werden die Seyhan-Nebenflüsse Pozanti, Körkün und Eglence von gänzlich isolierten Klammen unterbrochen. Wie am Manavgat neigt die karstige Geologie zur Bildung von Siphonen und Unterspülungen. Im Frühjahr waren die Klammen nicht ohne Vorkenntnisse befahrbar. Teile der Durchbruchstrecken waren wegen unfahrbarer Steilzonen wenig lohnend.

Im oberen Teil des Körkün bei Kamisli.

Eine Genussetappe hält der Körkünzwischen Kamisli und Karakuz bereit. Eine tiefe Felsschlucht mit technischem WW IV-V macht diesen Abschnitt zum Klassiker der Ala-Berge. Bei der Chrommine unterhalb Karakuz verschwindet der Körkün in einer langen Großschlucht. Nach der Öffnung bei Cukur wartet offenes Wasser bis zum Seyhan-Stausee auf WW-Einsteiger.

Die gewaltige Schlucht des Eglence bei Etekli.

Ähnliche Verhältnisse am Eglence: Auf zwei Quellflüssen kann bei Büyük Sofulu die Fahrt begonnen werden. Schnelles, leichtes Wildwasser leitet auf 15 Kilometer bis zur Mündung am Eingang der Schlucht bei Etekli. Die Schlucht selbst weist poröses Gestein und im Mittelteil gewaltige Steilabbrüche auf. Unser Fazit: wohl nur für Liebhaber des Extremen lohnend. Der Unterlauf bis zum Catalan-See des Seyhan schlängelt sich auf leichtem Wildwasser durch die hügeligen Ausläufer der Ala Daglari.